Meine Biographie (in ausführlicher Länge)

Die Frage, die mir vermutlich auf Lesungen am häufigsten gestellt wird, ist: „Muss man nicht selbst eine Macke haben, um so etwas zu schreiben?“

Oder anders formuliert: „Was ist bei Ihnen in der Kindheit bloß schief gelaufen?“

Früher habe ich mich oft mit der Gegenfrage herausgewunden, was denn mit Ihnen als Leser nicht stimmt? Immerhin zahlen Sie mir ja sogar Geld dafür, damit ich meine Alpträume bei Ihnen abladen darf.

Aber insgeheim habe ich natürlich Ursachenforschung betrieben und nach Traumata gesucht, die mir in meinen kindlichen Prägungsphasen widerfahren sein könnten.

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Auf den ersten Blick scheint man bei mir schon im Säuglingsalter fündig zu werden. Immerhin sehe ich auf diesem Foto doch schon aus, wie ein Psycho-Baby.

Meine Abneigung, mich fotografieren zu lassen, muss hier wohl ihren Lauf genommen haben.

Bemerkungen wie: „Gott ist der niedlich“ oder „Süüüüß“ werde ich bei diesem Anblick wohl kaum ausgelöst  haben; möglicherweise liegt hier also der Ursprung meines Minderwertigkeitskomplexes, der in mir zuerst den Wunsch erweckte Tennisspieler zu werden.

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Wie Sie sehen können, ging ich hochmotiviert mit einem euphorischen Gesichtsausdruck ans Werk und machte in den frühen 80er Jahren Boris Becker ernsthafte Konkurrenz. Dem nehme ich noch immer krumm, dass sein blöder Sieg in Wimbledon meinen grandiosen 3. Platz beim Schleifchenturnier des SC-Brandenburg in den Medien geringfügig überschattete.

Wie Sie bemerkt haben dürften, kennen Sie meinen Namen nicht von den Weltranglisten im Sport, was neben meiner Kondition auch an dem Talent des Verkäufers gelegen haben könnte, der mir diesen Schläger hier angedreht hat.

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Er schwärmte von der außergewöhnlichen, ergonomischer Power. Das Ding war natürlich Schrott (schon bevor ich die Bespannung vor Wut zerbiss), und mein Vertrauen in Menschen, die Gegenstände an der Autobahn direkt aus dem Kofferraum verkaufen ist seitdem etwas getrübt.
Nachdem meine Tenniskarriere nicht so recht in Gang kommen wollte beschloss ich Rockstar zu werden. Zwar konnte ich nicht singen wie Freddy Mercury, mehrere Instrumente spielen wie Prince, aber dafür tanzte ich schon immer wie Joe Cocker.

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Meine Eltern bezahlten den Fehler, mir ein Schlagzeug zu schenken, mit einem Tinnitus.

Für mich begann ein völlig enthemmtes, ausschweifendes Musikerleben.

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Ähnlich wie Madonna schockierte ich meine Umwelt mit freizügigen Fotos, die Zweifel an meiner sexuellen Orientierung wach werden ließen.

In jener Zeit gab es nur eine einzige Sache, die meinem großen Durchbruch als Multimediastar in Musik, Showbusiness, Fernsehen und Hollywood im Wege stand – und das war ich selbst.

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Wie man sehr gut auf diesen beiden Fotos erkennen kann, war ich ein beliebtes Fotomotiv während unserer Auftritte. Immer gut zu erkennen.

Um nicht hinter meinem Schlagzeug zu verhungern hörte ich auf meine Eltern und machte Abitur. Weil ich nicht wusste, was ich studieren sollte, wählte ich das Naheliegendste und schrieb mich für Tiermedizin ein.

Es war das Jahr 1990. Ich wollte mich in verrückte Abenteuer stürzen, die Welt verändern und Hunden wie diesem hier den Zahnstein entfernen.

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Das ist Molly, der liebe Hundegott hab sie selig. Sie verstarb leider an Altersschwäche und war mir bis zu Ihrem Ende dankbar, dass meine beiden linken Hände nie ein Tier behandeln durften. Denn nachdem ich die unbeschreiblich lange Zeit von drei Monaten durchgehalten hatte, fasste ich (noch benebelt von den Formalindämpfen beim Sezieren) den Entschluss, das Studienfach zu wechseln.

Ich wechselte, konsequent, von Tiermedizin zu Jura.

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Zum ersten Mal in meinem Leben passte mein Konfirmanden-Outfit zu meinem Berufswunsch.

Und dieses Mal hat es sogar bis zum ersten Staatsexamen gereicht.

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Und auch wenn ich im Leben nicht einen Tag juristisch gearbeitet habe, bin ich doch den Axtmördern und Psychopathen treu geblieben, die ich während meiner Strafrechtsvorlesungen so lieb gewonnen hatte.

Dann kam die Wende. Aus einem Grund, der sich mir bis heute nicht erschlossen hat, gab mir der Sender 104.6 RTL einen studienbegleitenden Praktikumsplatz.

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Hier wurde man zum ersten Mal auf meine Fotomodellqualitäten aufmerksam, die bei einem Radiosender natürlich völlig verschenkt waren. Unter anderem wurde ich, wie man hier sieht, das bekannte Werbegesicht für ein Oster-Spezialmodell einer bekannten Autofirma.

Mit meinen Qualifikationen als Tricktennisspieler, Möchtegernrockstar und Sektionserfahrungen am Hund plus juristischem Halbwissen war mein unaufhaltsamer Aufstieg in der Deutschen Medienwelt quasi vorprogrammiert – ich wurde Chefredakteur beim Berliner Rundfunk.

Gleichzeitig beschloss ich, auf das zweite juristische Staatsexamen zu verzichten, aber damit meine Eltern nicht völlig verzweifelten, schrieb ich eine Doktorarbeit im Urheberrecht.  (Ja, wirklich. Ich selbst und ganz allein. 1996 gab es noch nicht einmal Google und Copy Paste hielt man für eine italienische Vorspeise.)

Damals erzählte mir ein Freund, dass man bei Reservierungen im Hotel mit einem Titel vor dem Namen ein besseres Zimmer bekommt. War natürlich ebenso quatsch, wie mein ergonomischer Tennisschläger.

Sie fragen sich sicher die ganze Zeit, wieso dieser gradlinige Lebenslauf nicht schon früher in meine Autorentätigkeit mündete. Ich weiß es auch nicht.

Zum Schreiben kam ich erst sehr spät durch einen Arztbesuch. Anfang 2000 begleitete ich meine damalige Freundin und wartete die für Orthopäden durchschnittliche Minimalzeit von acht Stunden, gemeinsam mit zweihundertvierunddreißig weiteren Patienten in einem Wartezimmer, etwa so groß wie eine Telefonzelle. Und irgendwann, kurz nach Mitternacht, stellte ich mir die Frage: „Was wäre, wenn meine Freundin nie wieder aus dem Behandlungszimmer herauskommt?“

Das war kein Wunschdenken, sondern der Beginn meiner allerersten Idee für einen Thriller. Wie Ihnen vielleicht aufgefallen ist, beginnt „Die Therapie“ damit, dass ein kleines Mädchen spurlos in einer Arztpraxis verschwindet und man dem Vater, Viktor Larenz, weismachen will, seine kleine Josy wäre niemals dort gewesen.

Nachdem mir meine Mutter versicherte, dass ich mindestens den Literaturnobelpreis gewinnen würde, wurde mein Manuskript von allen Verlagen abgelehnt, bis ich per Zufallstreffer (mittlerweile gab es Google) Anfang 2002 auf einen Literaturagenten stieß: Roman Hocke. Hätte ich gewusst, dass er einst der Lektor von Michael Ende war, hätte ich ihn vermutlich nicht täglich angerufen und nach dem Stand der Dinge gefragt.

Aus Panik davor, noch länger von mir belästigt zu werden, machte Roman mit seiner Agentur AVA-International das Unmögliche möglich. Er bestach zahlreiche Leute bei Droemer Knaur und verschaffte mir einen Vertrag. Als ich von der Erstauflage erfuhr, war ich platt: 4000 Stück. Ich stellte mir all diese Menschen auf einmal mit meinem Buch in der Hand vor. Dann erfuhr ich, dass es über 5500 Buchhandlungen in Deutschland gibt und war etwas ernüchtert. Aber immerhin gab es einen Marketingetat von Null Euro, besser als nichts!

An dieser Stelle kommt wie immer in meinen Danksagungen die virtuelle Verbeugung vor Ihnen, dem Leser. Ohne Ihre Mundpropaganda würde ich immer noch in meiner Zwanzig Zimmer Villa im Grunewald wohnen, Ferrari fahren und zum Mittagessen nach Paris fliegen. Doch diese harten Zeiten sind vorbei.

Dank Ihnen jedenfalls durfte ich noch weitere Bücher schreiben, eines davon „Das Kind“ wird gerade verfilmt. „Der Seelenbrecher“ hat es als Theaterstück auf die Bühne geschafft. Passend zu mir und meinem Leben ist die Uraufführung nicht etwa im Kriminaltheater sondern in der Komödie am Altstadtmarkt in Braunschweig.

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Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass mein Name seit kurzem nicht mehr in allen Single- und Partnerbörsen des Internets auftaucht. Das liegt daran, dass ich 2010 standesgemäß mit allen meinen Freunden, Verwandten und guten Kollegen (also zu zweit) in Las Vegas im Grand Canyon geheiratet habe. Keine Fototapete!

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Probleme habe ich eigentlich nur mit Menschen, die meinen Humor nicht verstehen, so wie die Ärztin beim Ultraschall, die ich fragte, ob meine Tochter (26 Wochen) Abitur machen wird.

Ja. Ich bin Vater geworden! Charlotte kam am 10.10.10 zur Welt. Ein Datum, das ich mir sehr leicht merken kann, da am 10.10.1794 beim Kościuszko-Aufstand im geteilten Polen der den Aufruhr anführende Diktator Tadeusz Kościuszko mit seiner Armee in der Schlacht bei Maciejowice russischen Truppen des Generals Alexander Wassiljewitsch Suworow unterlag und in Gefangenschaft geriet.

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Die Theorie, Frauen könnten während Ihrer Stillzeit nicht schwanger werden, haben Sandra und ich übrigens erfolgreich im Selbstversuch widerlegt. Mal sehen, ob uns mit David der 11.11.11 gelingt. Dann könnte ich mein Faschingskostüm im Kreißsaal tragen!

(Redaktionelle Anmerkung: Es wurde der 5.10.11. David konnte es nicht abwarten.)

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Gute Freunde sagen übrigens, man würde mir die Ehe und die Kochkünste meiner Frau ansehen. Ich verstehe nicht, was die meinen.

Sie können sich ja selbst von mir ein Bild machen wenn wir uns vielleicht mal auf einer Lesung treffen. Dann beantworte ich gerne auch die Fragen, die ich hier offen gelassen habe, zum Beispiel weshalb ich mich für einen Irrenmagneten halte und wieso mein Kind mit einem abhörsicheren Babyphone ausgestattet ist.

Bis dahin wünsche ich Ihnen viel Spaß, hier auf dieser Seite und/oder mit meinen Büchern.

Auf Wiederlesen

Ihr Sebastian Fitzek